Daten & Fakten

Insgesamt leben im Jahr 2016 17.733 Kinder unter 15 Jahren in Pforzheim und 27.322 Kinder im Enzkreis (Statistisches Landesamt, 2018). Nicht jedes dieser Kinder hat die gleiche Chance gesund aufzuwachsen, denn die Lebensbedingungen der Kinder hängen unter anderem stark von dem sozioökonomischen Status der Eltern ab. Kinder aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status haben demnach schlechtere Chancen gesund aufzuwachsen. Das beginnt schon in der Schwangerschaft. Etwa 30 Prozent der Mütter mit einem niedrigen Status rauchen während der Schwangerschaft. Im Vergleich dazu rauchen rund 2 Prozent der werdenden Mütter mit einem hohen Status. Das ist das Ergebnis verschiedener Studien, wie beispielsweise dem Datenreport 2018 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland.

Auch die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) zeigt Zusammenhänge zwischen Gesundheit und sozialem Status. Kinder mit einem niedrigeren Status haben ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten, Bewegungsmangel, Übergewicht und nehmen seltener Kinderfrüherkennungsprogramme und zahnärztliche Kontrolluntersuchungen wahr (Lampert et al. 2015). Kinder, die in Armut aufwachsen, haben auch als Erwachsene eine schlechtere Gesundheit. Die sozialen Verhältnisse, Lebensbedingungen, Lebensweisen sowie das Risikoverhalten der werdenden Eltern wirken sich auf die Gesundheit des Embryos und später auf das Kind aus (Trabert, 2002).

 

Wie sieht es im Stadtkreis Pforzheim und im Enzkreis aus?

Rund jedes 5. Kind in Pforzheim und jedes 17. Kind im Enzkreis lebt von SGB-II-Leistungen. Pforzheim hat in Baden-Württemberg die höchste Kinderarmutsrate mit 21,9 % (2016). Im Vergleich dazu liegt der Enzkreis bei 5,9 % (Landesdurchschnitt: 8,9 %). 

 

Seit 2011 kann man in Pforzheim, dem Enzkreis und im Land Baden-Württemberg einen steigenden Trend der Kinderarmut beobachten. In Pforzheim hat sich die Kinderarmutsrate seit 2006 von 18,2 % auf 21,9 % erhöht. Auch im Enzkreis hat sich die Kinderarmut erhöht. Im Jahr 2006 lag der Anteil bei 4,6 %. Damit ist sie um 1,3 Prozentpunkte gestiegen. 

 

Somit gibt es in der Region viele Eltern(teile), die ihren Kindern nicht immer das bieten können, was für andere gleichaltrige Kinder ganz selbstverständlich ist, wie ein gesundes Frühstück, Sportkleidung, die Mitgliedschaft in einem Verein oder der Besuch eines Theaterstücks.

 

Wie sieht es in den Gemeinden und Stadtteilen aus?

Die einzelnen Gemeinden des Enzkreises sind in sehr unterschiedlichem Ausmaß von Kinderarmut betroffen. In Neuenbürg liegt die Kinderarmut 2017 bei 11,4 %, auch Mühlacker (9,8 %) oder Niefern-Öschelbronn (7,0 %) liegen über dem Enzkreisschnitt (2017: 6,7 %). Hingegen liegen die Kommunen Königsbach-Stein (5,0 %), Knittlingen (3,3 %) Straubenhardt (5,8 %) oder Birkenfeld (5,7 %) darunter. Auch innerhalb der 15 Pforzheimer Stadtgebiete gibt es große Unterschiede. So liegen die Stadtteile Hohenwart (2,6 %), Südoststadt (3,4 %) und Büchenbronn (4,7 %) weit unter dem Gesamtwert (2017: 21,7 %). Dagegen gibt es vier Stadtteile, in denen mehr als 30 % der Kinder unter 15 Jahren von Kinderarmut betroffen sind. In der Weststadt liegt der höchste Anteil im gesamten Stadtgebiet (40,3 %), gefolgt von dem Stadtteil Au (39,0 %), der Oststadt (38,7 %) und der Innenstadt (36,0 %) (Kommunale Statistikstelle, 2018; Abbildung 3).

 

Was sind die größten Risikofaktoren für Kinderarmut?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung herausgefunden, dass besonders Kinder von Alleinerziehenden, Kinder mit mehreren Geschwistern und Kinder mit gering qualifizierten Eltern von Armut betroffen sind. Alleinerziehenden-Haushalte haben unter allen Haushaltarten die höchste Armutsquote: Von allen Alleinerziehenden-Haushalten in Deutschland sind 40 % arm (relative Armut). Gemessen an allen Haushalten in Deutschland sind 15 % (relativ) arm (2015). Während deutschlandweit die Anzahl der Familien mit Kindern zurückgeht, steigt die Anzahl der Alleinerziehenden über einen Zeitraum von 20 Jahren leicht an. Von den 1,92 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Deutschland, deren Bedarfsgemeinschaft (BG) (bspw. ihre Familie) Leistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch (SGB-II), also „Hartz IV“, bezieht, leben rund 968.750 und damit etwa die Hälfte in Alleinerziehenden-Haushalten (Daten für Oktober 2015).

In Pforzheim gibt es im Jahr 2017 insgesamt 1.095 Alleinerziehenden-SGB-II-Bedarfsgemeinschaften mit mindestens 1 Kind unter 18 Jahren, im Enzkreis 485. Etwa jede zweite SGB-II-BG, in der unter 18-Jährige leben, ist eine Alleinerziehenden-BG (Enzkreis: 48 %; Pforzheim: 49%). In Pforzheim haben im Jahr 2017 insgesamt 56 % der Alleinerziehenden mit SGB-II-Bezug 1 Kind unter 18 Jahren (Enzkreis: 55 %), 31 % haben 2 Kinder (Enzkreis: 32 %) und 13 % haben 3 oder mehr Kinder (Enzkreis: 13 %). Die Anzahl der Kinder hängt mit der Armut zusammen. Je mehr Kinder in einem Haushalt leben, desto höher liegt statistisch gesehen die Armutsquote. Vier von zehn Einzelkindern unter 15 Jahren, die in einem Alleinerziehenden-Haushalt leben, leben in (relativer) Armut. Die Armutsquote liegt hier bei 41 %. Leben mindestens zwei Kinder unter 15 Jahren in einem Alleinerziehenden-Haushalt, liegt die Armutsquote bei 56 % (relative Armut). Das bedeutet, etwa jede zweite Alleinerziehenden-BG, in der mindestens zwei Kinder leben, ist von (relativer) Armut betroffen.

 

Am Ende der Kindergesundheitswochen 2020 wird ein ausführlicher Bericht zur Kindergesundheit in Pforzheim und im Enzkreis entstehen.


Literatur: 

Bertelsmann Stiftung (2017). Armutsmuter in Kindheit und Jugend. Längsschnittbetrachtung von Kinderarmut. 

Bertelsmann Stiftung (2018). Wegweiser Kommune. Verfügbar unter: www.wegweiserkommune.de/. 

Der Paritätische Gesamtverband (2018). Wer die Armen sind. Der Paritätische Armutsbericht 2018.

Kommunale Statistikstelle (2018). Pforzheimer Stadtteilprofile. Pforzheimer Stadteile im Vergleich. 

Lampert T, Kuntz B, KiGGS Study Group (2015). Gesund aufwachsen – Welche Bedeutung kommt dem sozialen Status zu? Hrsg. Robert Koch-Institut, Berlin. GBE kompakt 6(1). 

Statistisches Landesamt (2018). Verfügbar unter: www.statistik-bw.de. 

Trabert, G. (2002). Zwei-Klassen-Gesundheit. In Deutsches Ärzteblatt, 99 (3), A 93-95.