Gesundheit macht doch der Arzt?!

Das ist unserer Ansicht nach nur zum Teil richtig. Denn Ärztinnen und Ärzte beschäftigen sich in erster Linie mit Krankheiten: ihrer Entstehung und Entwicklung mit allen daran beteiligten Faktoren, den Ursachen einer Krankheit und ihrem Verlauf.

Im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit für uns aber mehr als Nicht-Krank-Sein: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ (WHO)

Auch wenn ein Mensch an keiner (diagnostizierten) Krankheit leidet, heißt das nicht unbedingt, dass es ihm/ihr gut geht. Zum körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden gehört mehr. Aber was?

 

Die Frage, was gesund macht, wurde federführend von dem Soziologen Aaron Antonovsky erforscht. Ganz zentral in seiner Forschung ist das sogenannte Kohärenzgefühl, das Menschen ein gesundes Leben ermöglichen kann. Das bedeutet, dass ein Mensch das Gefühl hat, dass er/sie sein/ihr eigenes Leben im Griff hat und es einen Sinn im Leben gibt:

  • Ist meine Welt verständlich, stimmig, geordnet? Kann ich auch Probleme und Belastungen, die ich erlebe, in einem größeren Zusammenhang sehen? (Verstehensebene)
  • Stellt das Leben mir Aufgaben, die ich lösen kann? Verfüge ich über Ressourcen, die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen Probleme mobilisieren kann? (Bewältigungsebene)
  • Für meine Lebensführung ist jede Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt! (Sinnebene)

Um diese Empfindungen bei Menschen herzustellen, braucht es keinen Arzt.

Es braucht ein funktionierendes Sozialleben, gesellschaftliche Teilhabe, und Zugang zu einem Unterstützungssystem.

Es braucht persönliche und soziale Kompetenzen, die beispielsweise helfen, mit Problemen umzugehen und funktionierende Bindungen mit anderen Menschen einzugehen.

Es braucht ein gesundheitsförderliches Umfeld, in dem man zum Beispiel im Grünen spazieren gehen kann, in dem man sich auf dem Spielplatz oder dem Trimm-dich-Pfad auspowern kann, in dem man vor Lärm geschützt ist.

Es braucht das Wissen, welchen Einfluss Ernährung und Bewegung nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das seelische Wohlbefinden haben und es braucht das Wissen, wie das Gesundheitssystem funktioniert und was man tun muss, wenn man krank ist.

 

All das ist ganz besonders für Kinder wichtig, denn viele Kompetenzen sollten von klein auf gelernt und verinnerlicht werden. Kinder, die diese wichtigen Fähigkeiten nicht von ihren Eltern erlernen können (vielleicht weil diese sie selbst schon nicht erlernen konnten), brauchen Unterstützung, damit sie den Kreislauf der Generationen durchbrechen und ein gesundes Leben führen können. Sie brauchen uns!